Salzburger Straße 7

Fred Thieler (1916-1999), Maler

Alle zwei Jahre, am 17. März, vergibt die Berlinische Galerie den Fred-Thieler-Preis für Malerei. Erhalten sollen ihn herausragende Künstlerinnen und Künstler, die vorwiegend in Deutschland arbeiten und „deren Werk abseits vom aktuellen Marktgeschehen ‚Positionszeichen‘ in der Entwicklung zeitgenössischer Kunst setzt“.  2015 hat Bernhard Martin den mit 10 000 Euro dotierten Preis erhalten. Wen die unabhängige Jury für 2017 bestimmen wird, steht noch nicht fest.

Fred Thieler, der diesen Preis 1991 gestiftet hat, war selbst Maler. Er gilt als einer der Hauptvertreter des „Informel“, einer eruptiven, „herausgeschleuderten“, nichtfigürlichen Malerei. In der Bundesrepublik Deutschland wurde sie in den 1950er-Jahren als die fortschrittlichste Kunstrichtung angesehen.

Bei der Ausführung der späteren großformatigen Bilder spielt der Pinsel keine nennenswerte Rolle mehr. Thieler gießt die Farbe über die auf dem Boden liegende Leinwand. Er arbeitet vom Rand mit Tüchern und Schwämmen, setzt Wasser und Terpentin ein, verwendet auch Gießkannen und Stöcke um die Farben zu leiten. Dabei betrachtet er die Farbe nicht als dienendes Mittel, sondern als „Partner“. Eine bedeutende Rolle bei der Entstehung des Bildes räumt Thieler dem Zufall ein.

In einem Interview sagt er zu den Malabläufen:

„…. es ist noch nichts entschieden vorher. Im Grunde geht man hin, hat seine Farben, in diesen großen Tuben in der entsprechenden Menge und fängt an, wobei die Wahl des Anfangs, ob man mit Rot oder Blau anfängt, natürlich teilweise ein bewusster Akzent sein kann.(...) Der erste Guss von Farbe auf die leere Leinwand ist nicht entscheidend für alles weitere, aber er ist schon ein Anlass für Weiteres. Er ist Anlass für weitere Aktionen, aber wie die Aktionen ausfallen, das kann ganz verschieden sein. [...] Man kann bei einem sanft ausgebreiteten Guss warten, bis die Farbe einsinkt und dann etwas Härteres daraus machen [...]“1

Foto: akg-images/picture alliance/dpa

Geboren wurde Fred Thieler 1916 in Königsberg. Mit 21 Jahren begann er Medizin zu studieren, wurde aber nach wenigen Wochen für zwei Jahre zum Militärdienst eingezogen und direkt im Anschluss in den Zweiten Weltkrieg geschickt: 1939 gegen Polen, 1940 gegen Frankreich. Als Sohn einer jüdischen Mutter wurde er nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen aus der Reichswehr entlassen. Er erhielt ein generelles Studierverbot. Ab 1941 nahm Thieler privaten Malunterricht in München und lebte in der Illegalität. Seine Mutter und er mussten sich bis zum Kriegsende an getrennten Orten vor der Gestapo, der nationalsozialistischen Geheimen Staatspolizei verstecken.

Ab 1946 studierte Fred Thieler Malerei an der Akademie für Bildende Künste München, wandte sich bald der nichtfigürlichen Malerei zu und war in den frühen 50er-Jahren immer wieder zu Arbeitsaufenthalten in Paris. 1959 erhielt er eine Professur an die HfBK Berlin (heute: Universität der Künste). Sein Atelier richtete Thieler 1965 in der Kapelle der ehemaligen Nervenklinik Maison de Santé am Ende der Belziger Straße in Schöneberg ein. Dort arbeitete er – für gewöhnlich nachts von 21.00 bis 2.00 Uhr – an seinen großformatigen Werken. 1976 bezog Fred Thieler eine Wohnung in der Salzburger Straße 7. Er starb 1999.

Zu seinem hundertsten Geburtstag fand am 16. März um 20:00 Uhr im Cafe Haberland eine Veranstaltung statt. "Das Bild als „Tatort“. Fred Thieler zum 100. Geburtstag." Sein Sohn Richard und die Kunsthistorikerin Sigrid Melchior erinnerten an Leben und Werk des Künstlers.

Informationen aus:

Firmenisch, Andrea, Merkert, Jörn, Hg., Fred Thieler. Monographie und Werkverzeichnis, Köln 1995
Ackermeier, Hartmann, Fred Thieler. Retrospektive - Dialog mit Farbe. Rede zur Ausstellungseröffnung, Galerie Georg Nothelfer, 8. September 2004
Galerie Ludorff, Düsseldorf

 

 

 

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